Flüchtlingsschicksal beschäftigt Schüler

© Schwetzinger Zeitung, Montag, 02.03.2015

CARL-THEODOR-SCHULE:

Grünen-Landtagsabgeordneter Manfred Kern stellt sich Fragen des Seminarkurses „Sport und Sportbusiness"

Integration durch Sport ist einer der Schwerpunkte des Seminarkurses "Sport und Sportbusiness" der Carl-Theodor-Schule.

Und diesem stellte sich Grünen-Landtagsabgeordneter Manfred Kern in einer Fragerunde. Neben den Schülern und ihrem

Lehrerteam Nicola Höfs sowie Karl-Ludwig Münkel waren stellvertretend zwei Asylbewerber aus Gambia, Lamin* und Ous*,

eingeladen, beide Fußballspieler des SC 08 Reilingen.

Freundlich beantwortete Kern die Fragen der Schüler, deren wichtigstes Anliegen die unangekündigte aktuelle nächtliche Abschiebung in Reilingen war. Momo*, einer der gambischen Fußballer des SC 08, wurde dabei - aufgrund des europäischen Dublin-Abkommens, wonach Asylanträge im Ankunftsland zu bearbeiten sind - gefesselt über Frankfurt nach Italien gebracht. Erst Tage später kam er halbverhungert wieder in Reilingen an, nachdem ihn die italienische Polizei einfach auf die Straße geschickt hatte.
"Ich bin schockiert über die Art der Abschiebung in der Nacht, mit Hundestaffeln und einem großen Polizeiaufgebot. Was tun wir den Menschen an, die völlig traumatisiert zu uns kommen und unsere Gäste sein sollten?", fragte unter anderem Julian, ein Seminarkursteilnehmer. Yilmaz ergänzte: "Warum unterwerfen wir uns dem Dublin-Verfahren? Gibt es keine menschenwürdigere Lösung, wenn ein Einreiseland wie Italien gar keine Kapazität für Asylanträge hat?"
Manfred Kern, der sichtlich schockiert über den Vorfall war, erklärte: "Ein solches Vorgehen ist in meinen Augen verfassungswidrig. Zumindest widerspricht es geltendem Recht; Momo und sein Anwalt hätten unbedingt vorher über die bevorstehende Abschiebung informiert werden müssen." Er versprach, sich dafür einzusetzen, dass diese nächtliche Vorgehensweise gestoppt werde.
"Welche Möglichkeiten sehen Sie für die Politik, Integration, gerade durch Sportvereine, zu fördern?", fragte Vanessa. "Eine Möglichkeit wäre es, die Fördergelder für Sportvereine unter anderem daran zu knüpfen, dass sie sich für Flüchtlinge öffnen", überlegte Kern.
Definition von Politik
"Wie definieren Sie Politik?", wollte Lamin wissen, der aus Gambia geflüchtet ist auf der Suche nach Sicherheit vor politischer Verfolgung und der Möglichkeit, einen Beruf zu erlernen. Die Antwort des Kultur- und Integrationspolitikers lautete: "Politik beginnt für mich da, wo ich den Menschen begegne; es ist wichtig, dass man den Gesprächspartnern zuhört und ihre Anliegen ernst nimmt. Das ist meine Mission." Schülerin Naomi hakte nach: "Gibt es für Sie Visionen, die sie politisch umsetzen möchten?" - "Meine Vision ist es, dass Menschen aus der ganzen Welt in unser Land einreisen können, dass etwa Roma aus dem Balkan, Familien aus Syrien, Flüchtlinge aus Gambia Bleiberecht erhalten, dass wir Bildung und Arbeit bieten. Es geht mir um Menschenrechte und um Gastfreundschaft, aber auch darum, dass in den Flüchtlingen ein Potenzial liegt, das Deutschland dringend braucht, um sich zukünftig wirtschaftlich behaupten zu können. Gleichzeitig müssen wir alles in unserer Macht stehende tun, damit die Verhältnisse in den Herkunftsländern sich bessern." (*Name geändert) zg


 

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