Chance auf Integrationspreis?

Bericht: Schwetzinger Zeitung

 

 In Sachen Integration am Ball bleiben: Carina, Yilmaz, Naomi, Vanessa, Ronny Zimmermann,

Uwe Ziegenhagen und zwei Gambier, die beim SC 08 kicken, (v. l.) sprechen sich klar gegen Rassismus aus.

© Schäfer

Reilingen/Schwetzingen. Mit Ronny Zimmermann die Schulbank drücken - das dürfte für so manchen Fußballfan im Schulalter ein Traum sein. Klang der Name für die Asylbewerber aus Gambia, die beim SC 08 kicken, zunächst noch fremd, so kamen drei von ihnen in den Genuss, den Präsidenten des Badischen Fußballverbandes (BFV) und Vizepräsident des Deutschen Fußballverbandes hautnah im Klassenzimmer zu erleben. Denn die Zwölftklässler des Seminarkurses "Sport und Sportbusiness" der Carl-Theodor-Schule Schwetzingen (CTS), die sich mit Lehrerin Nicola Höfs und ihrem Kollegen Karl-Ludwig Münkel der afrikanischen Fußballer angenommen haben (wir berichteten), hatten ihn zum Austausch eingeladen.

Welche Möglichkeiten hat der bfv in Sachen Integration? Diese Frage dominierte den Nachmittag, an dem allerdings auch Themenbereiche wie Gewalt im Sport, Förderung des Behindertensports sowie Homosexualität im Fußball angeschnitten wurden. Ein bisschen aufgeregt zeigten sich die Schüler des Seminarkurses schon bei dem hohen Besuch: Ronny Zimmermann hatte schließlich gleich noch bfv-Geschäftsführer Uwe Ziegenhagen und Stefan Moritz, beim bfv für gesellschaftliche Themen verantwortlich, mitgebracht.

In vielen Nationen zu Hause

Dass Fußball ein ideales Medium ist, um integrativ zu vermitteln, machte Ronny Zimmermann den Schülern deutlich. Die beim SC 08 aktiven Gambier sind dafür ein gutes Beispiel. "Bei fast allen Nationen ist Fußball zu Hauses - daher lässt sich da schon viel machen", erläuterte der bfv-Präsident. Dennoch sind dem Verband selbst die Hände gebunden. Hatten sich die Schüler der CTS Unterstützung für die inzwischen befreundeten Asylbewerber in Reilingen erhofft - in erster Linie Mittel, um den jungen Männern die beiden weiterführenden Deutschkurse zu ermöglichen - so bedauerten die Verbandsvertreter, hier nicht viel tun zu können. "Das Hindernis sind die Mittel", erläuterte Zimmermann. Das Geld, das dem bfv zur Verfügung stehe, sei zweckgebunden. "Wir müssen Verwendungsnachweise führen und stoßen so politisch gesehen an gewisse Grenzen", erklärte Uwe Ziegenhagen. Würde der Verband flächendeckend ein solches Projekt unterstützen, würden rund 100 000 Euro benötigt.               

Ronny Zimmermann sieht hier die Politik in der Pflicht, entsprechende Mittel zur Verfügung zu stellen. Denn so wie in Reilingen gebe es viele Vereine, die in einer ähnlichen Situation stecken, ergänzte Ziegenhagen. "Wobei es bei Asylbewerbern immer ein Problem ist, Mittel zu bekommen, weil unklar ist, wie lange ihr Aufenthalt in Deutschland sein wird", bedauerte der bfv-Präsident.

Passende Kampagne des DFB

Welche Rolle Integration im Fußball spielt, machte Stefan Moritz deutlich. Er zeigte den Schülern das Video einer DFB-Kampagne, dessen Gesicht Cari vom Rot-Weiß Norderstedt ist - ein farbiger Spieler. "Sein Pass spielt keine Rolle. Seine Pässe dagegen schön", ist die Message, die der DFB hier aussendet, eine Botschaft, die beim SC 08 Reilingen gelebt wird. "Bis 2030 wird jeder zweite bis dritte Fußballer in Deutschland einer mit Migrationshintergrund sein", sagte Moritz - eine Nachricht, die den Gambiern ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Ihnen teilte er auch mit, dass es im bfv zahlreiche eigene ethnisch geprägte Vereine gibt, in denen Türken, Griechen, Spanier und Co. stark vertreten sind.               

Dass das Thema Flüchtlinge in der bfv-Integrationskommission zum Thema wird, sicherte Stefan Moritz den Schülern zu. Um den kickenden Gambiern in Reilingen zu helfen, regte Uwe Ziegenhagen an, den SC 08 als Kandidat für den Integrationspreis des DFB vorzuschlagen, der bereits seit 2007 regelmäßig ausgeschrieben wird. Denn dass der Einsatz, den der Verein für die jungen Männer zeigt, vorbildlich ist und auch das Engagement der CTS-Schüler keine Selbstverständlichkeit ist, darin waren sich alle einig. "Wir können dankbar sein, dass wir in Deutschland leben und nicht in der Haut der Flüchtlinge stecken", brachte es Ronny Zimmermann am Ende des Nachmittags noch einmal auf den Punkt, bevor er mit seinen Kollegen das Klassenzimmer verließ.               

© Schwetzinger Zeitung,                          Freitag, 13.03.2015


 

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