Interview mit Sascha Kief

Interview mit unserem aktiven Referee Sascha Kief

Aktiver Schiri des SC 08

Dass Sportler des SC 08 Reilingen als Spieler auf dem Platz eine gute Figur abgeben, wurde in der gerade zu Ende gegangenen Saison mit der Meisterschaft der zweiten Mannschaft und dem knapp verpassten Aufstieg der ersten Mannschaft nach den Relegationsspielen einmal mehr unter Beweis gestellt.

Aber auch auf bisher weniger vermuteten Positionen liefert der SC 08 auf dem Platz gute Leistungen ab. Deshalb wollen wir euch heute einen Sportler aus der SC 08 Familie vorstellen, welcher Woche für Woche auf den Sportplätzen des Fußballkreises Mannheim dafür sorgt, dass alles mit rechten Dingen und sportlich fair zugeht.

Dass er das richtig gut macht, sehen auch seine Schiedsrichter-Kollegen so, und so wählten sie ihn unlängst zum ihrem neuen Leiter der Untergruppe Schwetzingen.

SC 08: Sascha, erst einmal herzlichen Glückwunsch zur deiner Wahl als neuer Leiter der Schiedsrichter Untergruppe Schwetzingen. Was bedeutet diese bemerkenswerte Annerkennung deiner Kollegen für dich?

Sascha: Vielen Dank! Ich freue mich natürlich sehr, diese Aufgabe in Zukunft mit meinem Stellvertreter Matteo Münkel aus Oftersheim ausführen zu dürfen und bedanke mich bei unseren Schiedsrichtern aus der Untergruppe für das in uns gesteckte Vertrauen. Die Leitung von Fritz Fackel und Werner Hagmann, die dieses Amt 38 Jahre begleiteten, zu übernehmen ehrt uns natürlich sehr.

SC 08: Viele kennen den Job eines Schiris natürlich vor allem durch euren Einsatz auf dem Platz. Die Arbeit als Leiter der Untergruppe Schwetzingen findet jedoch in erster Linie abseits des Platzes statt. Was muss man sich unter dieser Tätigkeit vorstellen?

Sascha: Dem Fußballkreis Mannheim gehören 220 Schiedsrichter an. Viele wohnen nicht in der unmittelbaren Nähe von Mannheim, wodurch ihnen die Teilnahme an den  Pflichtversammlungen jeden Monat erschwert ist, da diese in Mannheim-Pfingstberg erfolgen. Das ist mitunter ein Grund für die Existenz der Untergruppen Weinheim und Schwetzingen. Der Untergruppe Schwetzingen sind aktuell über 40 Schiedsrichter angehörig. Unsere Sitzung findet immer am Folgetag der Mannheimersitzung statt. Dort werden die in Mannheim besprochenen Inhalte thematisiert. Das Abhalten dieser Sitzung zählt zu meinen Tätigkeiten, dabei gehört neben der Weitergabe von Informationen auch Lehrarbeit. Außerdem besitze ich durch mein neues Amt einen Platz im Kreisschiedsrichter Ausschuss.

SC 08: In der Regel streben junge Sportler - Jungs wie Mädchen - danach, als Fußballspieler(innen) auf dem Platz zu stehen. Du bist einen anderen Weg gegangen: was waren deine Gründe, den Weg des nicht immer gerade einfachen Job eines Schiedsrichters einzuschlagen?

sascha kiefSascha: Es war ja nicht so, dass ich nie Fußball gespielt habe. Lange Zeit war ich für sämtliche Jugendmannschaften des SC 08 aktiv. Die ersten Erfahrungen als „Schiedsrichter" habe ich bei den Leitungen von E-Jugend Partien (meist von Betreuern und dergleichen geleitet, nicht vom bfv eingeteilt) bei welchen mein Bruder mitspielte gesammelt. Diese waren die ersten Berührungspunkte zum Schiedsrichterwesen. Da mir das wahnsinnig viel Spaß bereitete, hatte ich den Wunsch, die Ausbildung zum offiziellen Fußball-Schiedsrichter zu absolvieren. Das war 2009 und ich bin bis heute mit großer Freude auf und mittlerweile auch neben dem Platz für unsere Sache unterwegs.

SC 08: Kannst du dich noch an dein erstes Spiel als Schiedsrichter erinnern?

Sascha: Klar! Das war eine D-Jugend Partie in der Rückrunde der Saison 2009/10. Das Spiel fand in Ketsch auf dem früheren Hartplatz, heutigen Rasenplatz vor dem neuen Kunstrasen statt. Gegner der Ketscher war die TSG 62/09 aus Weinheim. Das Spiel endete bei noch winterlichen Temperaturen 0:0.

SC 08: Fußball lebt natürlich von den Emotionen auf dem Platz. Aber wie oben schon erwähnt, haben es Schiedsrichter, auch durch den Einsatz neuer Medien nicht immer einfach. Auch falsche Entscheidungen bleiben nicht aus. Wie geht man mit negativen Reaktionen von Spielern und Zuschauern um? Grübelt man nach den Spielen auch zu Hause noch über die eine oder andere Reaktion nach?

Sascha: Emotionen sind beim Sport, für mich speziell beim Fußball, nicht wegzudenken. Dennoch glaube ich, dass teilweise gerade im professionellen Fußball falsche Verhaltensweisen vorgelebt werden, die dann in den unteren Klassen „imitiert" werden. Entscheidungen des Schiedsrichters werden oftmals von Spielern, Verantwortlichen oder auch Zuschauern anders gesehen, als sie vom Unparteiischen bewertet wurden. Was in der subjektiven Betrachtungsweise der Beteiligten begründet ist. Solche Reaktionen geben keinen Anlass sich aus seinem  Konzept bringen zu lassen, solange man selbst von seinem Handeln überzeugt ist. Ich grüble eher weniger über die eine oder andere Reaktion. Bei der Reflektion des Geschehens, bspw. bei strittigen Situationen oder auch Platzverweisen, drehen sich meine Gedanken vielmehr um das eigene Handeln. Das Bewusstwerden und nochmalige Nachdenken über gewisse Abläufe ist wichtig. Somit können die Geschehnisse für sich geordnet werden, was auch im Falle des Verfassens eines Sonderberichts notwendig sein kann.

SC 08: Apropos falsche Entscheidungen: diese wurden bei der gerade zu Ende gegangenen WM in den Medien wieder heftig diskutiert. Wie siehst du die Leistungen deiner Kollegen in Brasilien?

Sascha: Auch hier gilt, dass durch gewisse Reaktionen auf Entscheidungen bspw. durch Kommentatoren Millionen Zuschauer von den TV-Geräten beeinflusst werden und die Meisten leider die publizierte Meinung unreflektiert zu ihrer eigenen machen. Vielmehr freue ich mich, dass diese WM zeigt, wie wichtig die Einführung der Torlinientechnik auf FIFA-Ebene ist und dies hoffentlich dazu beiträgt, die Debatte in Deutschland wieder aufleben zu lassen.

SC 08: Mit Kurt Tschenscher haben wir eine internationale FIFA Schiedsrichter-Ikone in unseren Reihen (wir berichteten), worauf wir sehr stolz sind. Ein paar Worte zu Kurt dürfen hier natürlich nicht fehlen:

Sascha: Wie ihr schon sagt, Schiedsrichter-Ikone! Herr Tschenscher ist der bislang einzige Schiedsrichter, der an drei Fußball-Weltmeisterschaften mitgewirkt hat. Das sagt für mich schon alles. Da ich bislang noch nicht die Möglichkeit hatte ihn kennenzulernen, würde mich der Kontakt zu ihm sehr freuen!

SC 08: Leider mangelt es im Schiedsrichterwesen aktuell an Nachwuchs, wie man speziell im unteren Jugendbereich immer wieder feststellen muss. An dieser Stelle hast du die Gelegenheit, ein Plädoyer an potentielle Nachwuchsschiris zu richten ;-) Wie würdest du diese für DEINE Sportart begeistern?

Sascha: Mit Matteo und mir besitzen nun zwei noch relativ junge Schiedsrichter die Leitung der Untergruppe Schwetzingen. Ich hoffe und denke, dass das auch ein Faktor sein kann neue Kollegen zu werben. Darüber hinaus wünsche ich mir auch noch mehrere Schiedsrichter für uns, den SC 08 und bin optimistisch, dass wir dieses Vorhaben gemeinsam verwirklichen und  neue Schiedsrichter gewinnen können, die dieses tolle Hobby ausüben möchten. Wenn man Verantwortung übernehmen, fit ist oder werden möchte und die eigene Persönlichkeit stärken will ist das Hobby des Fußballschiedsrichters genau das Richtige. Durch die Tätigkeiten als Referee trainiert man Durchsetzungsfähigkeit und sicheres Auftreten. Social Skills sowohl für den Beruf als auch Privat werden weiterentwickelt. Dabei zielt das Hobby nicht nur auf die jüngeren Generationen ab. Es bietet auch die Möglichkeit, dem Fußball verbunden zu bleiben. Das  Ausüben der Schiedsrichtertätigkeiten ist vom Teenie bis ins fortgeschrittene Alter möglich. Außerdem eröffnen sich durch Engagement und Ehrgeiz schnelle Aufstiegsmöglichkeiten. Ich  freue mich über jeden und jeder, der/die dieses Hobby zu SEINEM/IHREM Hobby machen möchte und stehe dafür als Ansprechpartner gerne zur Verfügung!

SC 08: Sascha, wir drücken dir für deinen weiteren Weg als Schiedsrichter, wie als Leiter der Untergruppe Schwetzingen die Daumen und wünschen dir für deine Entscheidungen auch weiterhin ein "glückliches Händchen".

Vielen Dank für das Interview!

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